Titel: Der Co-Trainer – Macher im Hintergrund

Der Co-Trainer – Macher im Hintergrund

Das Duo aus Cheftrainer und Co-Trainer funktioniert im Idealfall wie eine gute Doppelsechs – wie Pirlo und Gattuso. Die beiden ergänzten sich perfekt auf- und außerhalb des Spielfelds. Pirlo stand als Spielgestalter im Rampenlicht und war der entscheidende Spieler im Aufbauspiel. Gattuso dagegen verrichtete die grobe Arbeit im Hintergrund, womit er dem Strategen Pirlo den Rücken frei hielt.


Ein zweiter, genialer Spielmacher an der Seite von Pirlo wäre wohl nicht gut für die defensive Stabilität gewesen. Zwei Spielertypen wie Gattuso hätten zwar einiges vor der Abwehr abgeräumt aber dafür eher weniger das Offensivspiel angekurbelt. Dies zeigt, dass ein gute Doppelsechs nicht nur von der Qualität der Einzelspieler, sondern auch von deren Ergänzungen lebt.

Trainer und Co-Trainer müssen kompatibel sein

Selbiges gilt auch für einen Trainer und seinen Co-Trainer. Die Akteure eines gutes Trainerteams müssen ebenfalls kompatibel sein. Speziell wenn ein Verein nicht einen ganzen Stab an Spezialtrainern zur Verfügung hat, sollten Chef- und Co-Trainer aufeinander abgestimmte Kompetenzen und Eigenschaften mitbringen.

Den passenden Co-Trainers finden

Wenn die Planung eines Trainerteams für die kommende Saison ansteht und noch ein Assistenztrainer gesucht wird, sollte der Blick erstmal auf das Profil des Cheftrainers gerichtet werden. Daraus lassen sich dann die Anforderungen des zukünftigen des Co-Trainers ableiten.


Ist der erste Trainer beispielsweise kein aktiver Fußballer gewesen, dafür aber ein Spezialist im Bereich Mannschaftstaktik, könnte ein ehemaliger Spieler das Trainerteam hervorragend ergänzen. Dieser wäre dazu in der Lage auch anspruchsvollere Technikübungen zu demonstrieren und sich gut in Spielsituationen hineinzuversetzen.

Beispiel für die Auswahl des idealen Co-Trainers

Für den Cheftrainer einer Jugendmannschaft wird noch der ideale Partner an der Seitenlinie gesucht. In den 3 folgenden Netzdiagrammen (0 = nicht vorhanden; 10 = sehr ausgeprägt) sind die Profile des Cheftrainer, sowie zweier Co-Trainer dargestellt.

© trainr.
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Auffällig bei den beiden Kandidaten für die Co-Trainer Stelle ist, dass diese sehr unterschiedliche Profile mitbringen. Co-Trainer 1 hat starke soziale Kompetenzen und verfügt über gute methodische als auch organisatorische Fähigkeiten. Co-Trainer 2 kann dagegen vor allem viel Fachwissen und Erfahrungen als Spieler mitbringen.

© trainr.
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In den letzten Netzdiagrammen wurden die Profile des Cheftrainers mit denen der beiden Co-Trainer übereinandergelegt. Dabei zeigt sich, dass der zweite Kandidat ein sehr ähnliches Profil wie der Cheftrainer hat. Das Duo aus Cheftrainer und Co-Trainer 2 bringt viel Fachwissen und Spielererfahrung mit, weist jedoch Lücken im Bereich Methodik und Organisation auf.


Das Team aus Cheftrainer und Co-Trainer 1 ist dagegen in allen Bereichen sehr gut aufgestellt – vor allem deshalb, weil der erste Kandidat die organisatorischen und methodischen Schwächen des Cheftrainers ausgleichen kann.

Auch ergänzende Persönlichkeiten bringen einen Mehrwert

Auf der Suche nach einem Co-Trainer sollte nicht nur die Qualifikation, sondern auch das Zusammenspiel mit dem Cheftrainer berücksichtigt werden.

Diese Ergänzungen sind natürlich nicht nur im fachlichen, sondern auch im menschlichen Bereich wichtig. Falls ein Cheftrainer zum Beispiel mitreißende Ansprachen hält, dafür aber manchmal nicht nahbar ist, könnte ein emphatischer und etwas ruhigerer Co-Trainer einen guten Partner abgeben.

Die Zusammenarbeit zwischen Trainer und Co-Trainer

Doch auch wenn es in der Theorie so scheint, dass ein Trainer und sein Co-Trainer perfekt zueinander passen, kann es in der Praxis zu Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit kommen. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit benötigt vor allem eine gute Kommunikation. Aus diesem Grund sollten sich die beiden Trainer vor, aber auch gelegentlich während der Saison zusammensetzen, um über ihre gemeinsame Arbeit im Trainerteam zu sprechen. Während des Gesprächs sollten unter anderem folgende Fragen geklärt werden:

  • Welche Aufgaben übernimmt der Co-Trainer im Training/an Spieltagen?
  • Welche organisatorischen Aufgaben übernimmt der Co-Trainer?
  • Wofür und für wen ist der Trainer/Co-Trainer Ansprechpartner?
  • Wie stellen sich die beiden Trainer ihren Umgang miteinander vor?
  • Welchen zeitlichen Aufwand kann ein ehrenamtlicher Co-Trainer erbringen?
  • Wie flach oder steil ist die Hierarchie innerhalb des Trainerteams?
  • In welche Entscheidungen und Entscheidungsprozesse wird der Co-Trainer mit eingebunden?
  • Was ist dem Trainer/Co-Trainer in der Zusammenarbeit wichtig?
  • Wie läuft die Kommunikation innerhalb des Trainerteams ab?

Ein guter Co-Trainer muss auch Cheftrainer sein können

Eine sinnvolle Aufgabenverteilung innerhalb eines Trainerteams kann die tägliche Zusammenarbeit ungemein erleichtern, da nicht ständig Verantwortungen abgeklärt werden müssen. Da speziell der 1. Trainer in einem kleinen Trainerteam jedoch sehr viele Bereiche abdecken muss, kann es hilfreich sein füreinander mitzudenken. Dadurch kann der Co-Trainer sein Cheftrainer sehr stark entlasten und zeitgleich seine Qualitäten unter Beweis stellen.


Außerdem sollte der Co-Trainer aber auch der Cheftrainer immer dazu in der Lage sein, die Aufgaben des jeweils anderen zu erledigen. Dadurch kann auch mal ein längerer Ausfalls des Chef- oder Co-Trainer kompensiert werden.

Konflikte im Trainerteam

Doch selbst wenn die Trainer eines Teams fachlich wie menschlich harmonieren und auch die Aufgaben klar verteilt sind, kann es zu Konflikten innerhalb eines Trainerteams kommen. Dies ist aber kein Problem, da Meinungsverschiedenheiten zwischen Trainer und Co-Trainer zum Alltag im Fußball gehören – ja, sogar gehören sollten.


Es ist nicht die Aufgabe des Co-Trainers die Ansichten des Cheftrainers eins-zu-eins zu übernehmen. Wäre dies der Fall, könnte der Assistenztrainer durch einen schweigsamen Gehilfen ersetzt werden.


Der Co-Trainer ist zum Einen natürlich dafür zuständig den Cheftrainer zu entlasten und dessen Anweisungen durchzuführen. Zum Anderen ist der Assistenztrainer – wie auch der erste Trainer – aber ebenfalls ein Experte in seinem Bereich.

Die Diskussion ist das Sieb der Wahrheit

Stefano Guazzo

Aus diesem Grund sollte der Co-Trainer seine Perspektive regelmäßig mit ins Spiel bringen. Beim Suchen von Lösungen sind Diskussionen mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen fast immer hilfreich – unabhängig davon, ob es um die richtige Spielphilosophie, die angemessene Führung des Teams oder den nächsten Wechsel geht.

Was (Co-)Trainer von Klopp und Buvac lernen können

Das Meinungsverschiedenheiten und Konflikte zu einem funktionierendem Trainerduo dazugehören, bewiesen auch Jürgen Klopp und sein Co-Trainer Zeljko Buvac. Die beiden feierten in ihren gemeinsamen 17 Jahren Aufstiege, Meisterschaften und Pokalsiege.


Gestartet ist die Zusammenarbeit zwischen Klopp und Buvac in Mainz. Nach 7 gemeinsamen Jahren am Bruchweg zog es die Beiden weiter nach Dortmund und einige Jahre später ging es für das Duo nach Liverpool.


Doch in Liverpool trennten sich die Wege des selbstbewussten Cheftrainers und seines zurückhaltenden Co-Trainers dann plötzlich. Der Grund für die Trennung ist nach wie vor nicht ganz klar. Jedoch war klar zu erkennen, dass es einen größeren Konflikt zwischen den langjährigen Weggefährten gab und die Basis für eine weitere Zusammenarbeit damit nicht mehr vorhanden war.


Streit gab es aber nicht erst in Liverpool, wie der damalige Manager Heidel von Mainz 05 berichtet:

Wenn es in Mainz manchmal losging, dachtest du, die Tür fliegt raus und wahrscheinlich kommt nur einer raus. Stattdessen kamen sie Arm in Arm raus und sind in die Kneipe gegenüber.

Heidel über Diskussionen zwischen Klopp und Buvac

Dies zeigt deutlich, dass Konflikte und Wortgefechte noch lange nichts darüber aussagen, ob ein Trainerteam zueinander passt. Wichtig ist nur, dass das Kriegsbeil auch wieder begraben werden kann und die beiden Trainer nicht nachtragend sind. Schlussendlich sind die Meinungen zwar manchmal verschieden aber das Ziel ist das Gleiche – der Erfolg der gemeinsamen Mannschaft.


Auch wenn die Zusammenarbeit zwischen Klopp und Buvac etwas unschön endete, hatten die vielen hitzigen Diskussionen mit Sicherheit einen großen Anteil am Erfolg des Duos.

Wertschätzung im Trainerteam

Von Klopp und Buvac können wir aber nicht nur lernen, dass Konfliktbereitschaft zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit gehören, sondern auch gegenseitige Wertschätzung.

fleischgewordener Fußball-Sachverstand.

Klopp über Buvac

In einem funktionierenden Trainerteam sollte nicht mit konstruktiver Kritik, aber eben auch nicht mit lobenden Worten gespart werden. Natürlich sollte an den Huldigungen für den Trainerkollegen auch was dran sein aber falls es etwas zu loben gibt, kann dies auch gerne mal ausgesprochen werden.

Zu dritt sind wir ein guter Bundesliga-Trainer.

Klopp über sich sowie seine Trainerkollegen Buvac und Krawietz in Mainz 05

Dauer- oder Übergangslösung?

Buvac war durch die lange Zeit an der Seite von Jürgen Klopp ein Großteil seiner Karriere fast ausschließlich als Co-Trainer tätig – ein Rolle, welche für die Einen eine Übergangs- und für die Anderen eine Dauerlösung ist.


Es spricht überhaupt nichts dagegen die Arbeit als Assistenztrainers zu bevorzugen. Falls ein Trainer lieber im Hintergrund arbeitet und nicht so gerne im Rampenlicht steht, ist die Rolle des Co-Trainers ideal. Aber auch wenn ein Trainer, aufgrund von Beruf und Familie, nicht mehr die zeitlichen Kapazitäten für die Stelle des Cheftrainers hat, bietet sich die Co-Trainer-Rolle an.

Vom Co-Trainer zum Cheftrainer werden

Jedoch gibt es auch Assistenztrainer, welche sehnsüchtig darauf warten den nächsten Schritt zu machen um endlich Cheftrainer zu werden. In diesem Fall sollte jedoch klar sein, dass dies nicht immer ein Selbstläufer ist. Geht der erste Trainer einer Mannschaft zu einem anderen Verein oder zu einem älteren Jahrgang, heißt das noch lange nicht, dass der Co-Trainer dessen Rolle übernimmt. Auch eine langjährige Arbeit im Verein garantiert keinem Assistenztrainer eine Stelle als Cheftrainer. Viel wichtiger ist es, die verantwortlichen Entscheidungsträger von sich zu überzeugen. Dabei kann ein Co-Trainer die sportliche Leitung mit den folgende Punkten überzeugen:

  • sich aktiv an Vereins- und Trainer Sitzungen beteiligen (neuen „Input“ mit einbringen)
  • Das Ziel Cheftrainer zu werden bei der sportlichen Leitung ansprechen (und überzeugende Argumente dafür mitbringen)
  • Sportliche Verantwortungen gegenüber dem Cheftrainer einfordern (Mehr Anteile bei der Trainingsgestaltung und -durchführung, Ansprachen, Coaching von Testspielen, …)

Beispiel deutsche Nationalmannschaft

Das sich gute Arbeit als Co-Trainer aber auch auszahlen und den Sprung auf den Cheftrainer-Posten ermöglichen kann, zeigte sich gleich zweimal in der deutschen Fussballnationalmannschaft. Erst beerbte Löw seinen Vorgänger Jürgen Klinsmann und nach der Fußball Europameisterschaft übernahm Flick die Rolle seines damaligen Cheftrainers.

Ich glaube, da sind wir uns alle einig, dass der Hansi hervorragende Voraussetzungen hat, Topspieler zu führen

Joachim Löw über seinen zukünftigen Nachfolger Hansi Flick

Im Idealfall bekommt die sportliche Leitung dann sogar noch von dem aktuelle Cheftrainer bestätigt, dass der Co-Trainer bereit für größere Aufgaben ist. Aus diesem Grund ist es trotz Meinungsdifferenzen im Trainerteam wichtig, dass die Arbeit immer ein Für- anstatt ein Gegeneinander ist. Dies gelingt am besten, wenn auch für den Co-Trainer der Erfolg und die Entwicklung der Mannschaft im Vordergrund stehen. Schließlich unterstützt der Co-Trainer damit nicht nur die Mannschaft, sondern auch den aktuellen Cheftrainer. Dieser wird diese Aufopferung des Co-Trainers für das Team bestimmt zu würdigen wissen – und das vielleicht auch vor der sportlichen Leitung.

1 Kommentar zu „Der Co-Trainer – Macher im Hintergrund”

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  • Puselja dragan
    04. Dezember 2021 um 09:22
    Würde mich gerne freuen wenn ich dabei sein dürfte
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